Pflegehemmnisse abbauen!

FDP vor OrtSozialpolitik14. Juni 2018

Gemeinsam mit Julia Raab, Vorsitzende des nördlichen Ortsverbands der FDP Wetterau, hat der Kreis- und Landtagsabgeordnete Dr. h. c. Jörg-Uwe Hahn die Seniorenresidenz Bisses in Echzell-Bisses besucht.

Vor Ort empfingen ihn Geschäftsführerin Elke Möller, Heimleiter Rainer Landau und Pflegedienstleiterin Sabina Häuser. Zentrales Thema des Austauschs war der Personalmangel in der Kranken- und Altenpflege, welcher sich mittlerweile über die Fachkräfte hinaus erstrecke.

„Die Altenheime in Deutschland haben große Schwierigkeiten dabei, neue Mitarbeiter für ihre Einrichtungen zu finden“, stellte Möller fest.

Bundesweit bezifferte die Geschäftsführerin die Zahl der unbesetzten Stellen auf rund 35.000 Stück. Landau merkte an, dass der Fachkräftemangel die Pflegebranche schon länger plage. Dieser nehme inzwischen aber neue Qualität an. „Mittlerweile sind selbst ungelernte Helfer nicht mehr einfach zu finden“, so Landau weiter. Abhilfe sei zumindest theoretisch durch ausländische Bewerber beispielsweise aus Osteuropa möglich, die gerne in Deutschland arbeiten würden. Praktisch stünden dabei jedoch oftmals unsinnige Regulierungen im Wege, beklagte

Möller: „Wer hier in der Pflege arbeiten will, muss vorher einen langwierigen B2-Deutschkurs bestanden haben. In diesem Zeitraum darf uns eine potentielle Hilfskraft also nicht unterstützen. Viel besser wäre es, wenn der Erwerb des Sprachzertifikats parallel zur Berufstätigkeit laufen könnte.“ Aufgrund der zurecht hohen Dokumentationsanforderungen in Deutschland würden ohnehin nur Personen eingestellt, die die Sprache ausreichend beherrschen. Erschwerend komme hinzu, dass die entsprechenden Lehrkurse in zu geringer Stückzahl und zu ungünstigen Zeiten stattfänden. Weil ein solches bisher nicht zur Verfügung stehe, sprach Hahn sich an der Stelle für ein zentrales Register der offiziell auf die Deutschprüfungen vorbereitenden Institutionen aus.

Der FDP-Politiker verwies zudem auf die Transformation des Arbeitsmarkts durch den demografischen Wandel. Aktuellen Schätzungen zufolge könne sich die Anzahl der Erwerbspersonen bis 2030 um eine zweistellige Prozentzahl verringern. Die Ankündigung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn, 13.000 neue Stellen in der Pflege schaffen zu wollen, kritisierte Hahn als hanebüchen: „Selbst von den bereits bestehenden Stellen im Pflegebereich sind heute 35.000 nicht besetzt. Darum sollte sich der Gesundheitsminister kümmern, anstatt plakative Nebelkerzen zu zünden“, so Hahn. Raab stimmte zu und stellte durch eine Nachfrage fest, dass es auch in der Seniorenresidenz Bisses bei rund 50 Stellen unbesetzte Positionen gebe. „Mit Lippenbekenntnissen ist weder den Heimbetreibern noch den Pflegebedürftigen geholfen“, so die Kommunalpolitikerin.