Kreistagsfraktion kritisiert: Wetteraukreis löst Aufgaben am Wohnungsmarkt nicht

Kommunalpolitik15. Oktober 2019

Die Kreistagsfraktion der Freien Demokraten machte die Situation bei Genehmigungen von Bauanträgen für Wohngebäude in der Wetterau nun im Kreistag durch eine Anfrage zum Thema, nachdem gerade die heimische Bauwirtschaft sich über immer komplizierte Verfahren mit dem Kreisbauamt gemeldet hätten. Themenschwerpunkte der Anfrage waren die Entwicklung der Bauantragseingänge, die dazugehörigen Genehmigungszahlen, die Bearbeitungszeit für Bauanträge und die Mitarbeitersituation.

Wie aus der offiziellen Antwort des Kreisbeigeordneten Matthias Walther (CDU) hervorgeht, wurden im Jahr 2019 im Wetteraukreis bisher 211 Bauanträge für Wohnungen (Stichtag 15.09.) gestellt. Dem gegenüber stehen 277 Anträge aus dem Jahr 2018 und 273 Anträge aus dem Jahr 2017 (202 im Jahr 2016, 254 im Jahr 2015).

174 Bauanträge wurden im bisherigen Jahr 2019 genehmigt, die meisten hiervon in Bad Vilbel (28), Nidda (23), Rosbach (17). Die Bearbeitungszeit für die Rückmeldung des Bauantrages beträgt derzeit kreisweit rund 21 Arbeitstage. Stolze 107 Bauanträge für Wohngebäude sind derzeit unbeschieden (offen).

Besonders irritierend für die Liberalen ist die Antwort, man könne die Frage nicht beantworten, wie hoch die Zahl der zuständigen Mitarbeiter im Soll seien und wie viele Stellen unbesetzt seien.

Eine Nutzung des dualen Ausbildungsgangs der Technischen Hochschule Mittelhessen sieht der Wetteraukreis als personalpolitische Maßnahme nicht bisher nicht vor. Stattdessen geht aus der Antwort auf die Anfrage der Liberalen hervor, dass an der Hochschule seitens des Kreises Stellenaushänge erfolgt seien.

„Immer mehr Menschen werden bei der Suche nach Wohnraum in der unmittelbaren Umgebung Frankfurts nicht mehr fündig und weichen aufs Umland aus. Hiervon wird der Wetteraukreis auch in Zukunft stark betroffen sein. Um dieser Entwicklung auch in Zukunft gewappnet zu sein, benötigt der Wetteraukreis unter anderem eine Beschleunigung der Baugenehmigungsverfahren, denn langwierige Baugenehmigungsverfahren kosten Zeit und Geld,“ so der für die Kreisentwicklung zuständige FDP-Abgeordnete Dr. h.c. Jörg-Uwe Hahn.

Der Liberale weiter: „Die Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) wird völlig missverstanden. Anstatt jungen Menschen aus dem Wetteraukreis an der THM einen attraktiven dualen Studiengang anzubieten und somit eigene Mitarbeiter dort auszubilden, setzt der Wetteraukreis hier auf Aushänge, um Absolventen abzuwerben. Dies ist definitiv der falsche Weg, um junge Mitarbeiter zu gewinnen.  Die zu lange Bearbeitungszeit bei den Bauanträgen und die hohe Anzahl an unbeschiedenen Bauanträgen lässt darauf schließen, dass dies Folgen eines entstehenden Personalengpasses sind. Ausbaden dürfen dies zum einen die privaten Bauherren, zum anderen die Bauwirtschaft. Die Schwarz/Rote Koalition löst die Aufgaben am Wohnungsmarkt nicht.“ Landrat Jan Weckler freue sich immer, wenn der Wetteraukreis mehr Einwohner bekomme. „So sieht Wachstum nicht aus!“, so Hahn. Der Landrat müsse, so der FDP-Mann abschließend, das Thema Kreisbauamt zur Chefsache machen.